2010

VFD-Vortragsabend „Pferdefütterung – mal anders“ mit Constanze Röhm
Am 04. Februar 2010 hatte der VFD-KV Kleve zu einem interessanten Vortrag eingeladen – und viele, viele kamen.Das Casino des Heisterfeldshofes in Bedburg-Hau war gut gefüllt mit ca. 40 interessierten Teilnehmern. Schön, dass auch mal viele neue Gesichter dabei waren!

Man vermutet ja eher, dass die Fütterung ein eher „trockenes“ Thema ist, aber Conny Röhm hat ihr Wissen sehr ansprechend, interessant und kurzweilig rübergebracht. Sie hat im Ausland ein Studium über Pferdefütterung absolviert und hat also sozusagen den „wissenschaftlichen“ Blick auf die Verdauung unserer Vierbeiner.

Soweit das überhaupt wissenschaftlich erforscht ist, denn eine der ersten Infos war: Die ganzen Fütterungsempfehlungen, die man von den Futtermittellieferanten bekommt oder auch in Büchern und Zeitschriften liest, sind zum Großteil NICHT wissenschaftlich belegt.

Im Anschluß gab es noch regen Erfahrungsaustausch Vielmehr fanden die meisten Forschungen zum Futterbedarf von Großtieren an Schafen und Schweinen statt (waren leichter zu beschaffen, brauchen weniger Platz als Pferde, und wenn bei einer missglückten Versuchsreihe mal ein paar hundert Schafe oder Schweine eingehen, dann wird das meist „lockerer“ gesehen, als wenn Pferde sterben...).

Also hat man den Bedarf vom Schaf/Schwein auf ca. 600 kg Lebendgewicht Pferd „hochgerechnet“ (und die wenigsten unserer Zossen wiegen 600 kg, oder?).

Dass man die Verdauung/Futterverwertung von Paarhufern und Widerkäuern nicht wirklich mit der von Pferden gleichsetzen kann, leuchtet wohl ein... (oder soll ich mir demnächst ein hochgezüchtetes Reitschaf anschaffen....grübel....).

Dann besprach Conny ausführlich den Verdauungsvorgang bei Pferden – so ungefähr kennen viele das wohl, aber dass die „Verdauung“ schon VOR der eigentlichen Futteraufnahme gestört werden kann, das verblüfft ja schon. Das passiert dann, wenn das (Rau)Futter nicht die richtigen Bakterien enthält, die zur Verdauung benötigt werden.

Krasses Beispiel ist verdorbenes oder schimmeliges Futter, aber auch das gründliche Heu-Waschen bei heuallergischen Pferden wäscht die „guten“ Bakterien mit raus! Empfehlung: Das Heu möglichst nur anfeuchten oder besprühen, keinesfalls länger einweichen! Und wenn die Pferde mögen, dürfen sie gerne das „Waschwasser“ mal trinken, da sind die Bakterien dann nämlich drin.

Weiter gings dann mit dem Verdauungsweg, den das Futter so nimmt im Pferd, und Conny erklärte dann auch, dass so manche vermeintliche Unart von Pferden schlichtweg durch Bauchweh erklärbar sind – wenn nicht ausreichend Raufutter gegeben wird!

Da kann es schon mal sein, dass das Pferd beim Reiten oder Putzen „kitzlig“ reagiert, wenn man mit Bürste oder Schenkel an die Stellen kommt, wo der (leere) Darm sich befindet (O-Ton Conny: „Pferde sind nicht kitzlig; wenn sie es wären, könnten sie lachen!“). Oder dass es Pferden schwerfällt, die Hinterhufe zur Hufpflege auf den Hufbock zu stellen – weil sie „Bauchweh“ haben und diese Bewegung unangenehm ist!

Also: Raufutter in Form von GUTEM Heu, ggf. durch Stroh ergänzt, EVENTUELL Heulage in AUSREICHENDER Menge ist ein MUSS!! (Als ich sagte, dass meine Isi-Stute z. Zt. 8 kg Heu kriegt, hat Conny nichtmal mit der Wimper gezuckt – wenn sie´s frisst (und meine Maus braucht wirklich diese Menge), dann soll sie´s kriegen!)

Und macht euch ruhig mal die Mühe, zu wiegen, wie viel ihr so füttert – wenn man das Heu etwas aufschüttelt, sieht es viel aus – aber wie viel ist es wirklich??

Beim Raufutter gilt eigentlich für alle Pferde das Gleiche, egal welche Rasse oder welcher Mix. Anders ist es beim „Kraftfutter“. Da ist es ein Riesen-Unterschied, ob man z. B. Traber, Trakehner hat oder Warmblüter oder eher „Ponytypen“ oder Westernrassen.

Die ursprüngliche Herkunft der Rassen und damit die genetische Anpassung ist maßgeblich für den Bedarf an Energie, Mineralien etc. Und bestimmte Rassen werden nicht durch zuviel Kraftfutter übernervös, sondern sie kriegen evtl. zuwenig – dadurch sind die Nerven auf „Überleben“ gepolt und das Denken setzt aus, das Pferd reagiert nur noch „instinktiv“ und ist nicht wirklich ansprechbar.

Auch dies passiert durch Fütterungsfehler! Einigen Zuhörern gingen ganze Kronleuchter auf... Als Quintessenz des Abends kann man den alten Spruch zitieren: „Das Auge des Herrn füttert das Pferd.“ Jedes Pferd ist anders. Schaut euch eure Pferde immer wieder an, verändert vielleicht mal ein bisschen was an der Fütterung und guckt, wie das Pferd drauf reagiert – dann kriegt ihr ein Gespür dafür, was EURE Pferde brauchen. Erforscht ist es zum Großteil sowieso nicht – also ist jeder Pferdehalter selber der beste Futtermeister.

Im Anschluss an Connys Vortrag konnten wir noch Fragen stellen, und dann ging ein interessanter, lehrreicher und auch kurzweiliger Abend zu Ende – auch wenn wir gerne noch länger zugehört hätten. Das war erst mal viel Information als Basis zu diesem Thema.

Bestimmt wird noch ein weitere Abend folgen, dann evtl. mal mit einem Schwerpunkt z. B. zur Fütterung älterer Pferde oder von Pferden mit bestimmten Erkrankungen – das Thema ist eigentlich unerschöpflich.

Autor/Red: Astrid Josten (27.03.2010)